Übrigens gibt es Städte, die durchaus kinderfreundlich sind. Meine beiden Favoriten sind Stockholm und Venedig.
Stockholm
Warum Stockholm? Grundsätzlich, weil hier Kinder wertgeschätzt werden. Man sieht es überall: von den Straßenübergängen, die für Kinderwagen abgesenkt sind bis hin zu den Wickeltischen in wirklich jedem Café oder Restaurant, auch auf der Herrentoilette. Eigentlich muss man nur das Telefonbuch unter “Museumsangebot” aufschlagen, um festzustellen, dass das Interesse für die Kleinen um Lichtjahre grösser ist als anderswo. Wir lieben vor allem Junibacken, unser adoptiertes Museum. Aber toll mit Kindern sind auch das Vasa-Museum, das Technik-Museum und Tom Tits Experiment (ca. 30 km ausserhalb von Stockholm, mit das beste, was es für Kinder gibt). Alle haben gemeinsam, dass sie mit großer Liebe gemacht sind und das spiegelt sich in unzähligen Details wieder.

Außer den Museen hat Stockholm eine Reihe von wunderbaren Spielplätzen zu bieten. Es gibt zwei Varianten: “Lekplats” ist ein normaler Spielplatz aber ungewöhnlicher Weise ohne Zigarettenkippen, Glasscherben und Hunde (was stattdessen zum Berliner Standard gehört). Schöner noch sind die sogenannten “Parklek”. Das sind Spielplätze, die oft in Parks liegen und ausgebildetes Personal vor Ort haben, welches sich darum kümmert, dass der Platz schön bleibt. Hier kann man Fahräder, Bälle, Hockeyschläger, Sandspielzeug etc ausleihen und es gibt auch die Möglichkeit, wenn der schwedische Wind etwas zu frisch weht, in ein Haus zu gehen, um sich mit einer Tasse Schokolade oder einem Würstchen zu wärmen. Hier kann man natürlich auch Kinder wickeln und bekommt vom Personal entsprechende Windeln, sollte man die eigenen vergessen haben. Ein ganz toller liegt im Humlegården-Park, wo man auch die königliche Bibliothek und die berühmte Teufelsbibel sehen kann.
Spektakulär ist schließlich auch, dass man in Stockholm Ü-B-E-R-A-L-L baden kann. Die Wasserqualität ist so hoch, dass man ohne Bedenken schon im Hafen reinspringen kann. So sieht man im Sommer sehr viele Stockholmer mit einer Zeitung unter dem linken und einem Handtuch unter dem rechten Arm spazieren gehen. Und sie haben ja alle Recht: vom Wasser erlebt man Stockholm am besten. Daher sind wir zur Bootsvermietung neben der Djurgårdsbron (Strandvägen 53) gegangen und haben uns dort ein Motorboot gemietet. Es ist nicht besonders teuer und man braucht auch keinen Bootsführerschein. Mit dem Boot sind wir dann umher gefahren und haben uns Thomas’ Lieblingsecken vom Wasser aus angeschaut. In einer idyllischen Bucht haben wir schließlich geankert und sind baden gegangen.


Grand Hotel, das beste Hotel der Stadt, bietet an der Rezeption übrigens eine große Schale Geléhallon, aber das nur nebenbei bemerkt.

Venedig
Ich weiss, dass ich mich wiederhole, aber Venedig ist einfach meine Lieblingsstadt, auch mit Kindern. Sogar mehr noch als Stockholm ist die Lagunenstadt vom Wasser geprägt. Auch wenn man Stockholm als das Venedig des Nordens bezeichnet (wie übrigens auch Kopenhagen, Sankt Petersburg, Brügge, Amsterdam, Hamburg und selbst Duisburg und Berlin, um nur einige zu nennen), ist es mit dem Original nicht wirklich vergleichbar. Das Flair ist einfach ein anderes, egal zu welcher Zeit man dort ist.


Und dass es keinerlei Autos gibt, macht jeden Aufenthalt extrem erholsam. Man kann die Kinder loslassen ohne Angst zu haben. Kein Lärm, kein Smog, keine Aggressionen. Das tut allen gut. Wenn man dann auch noch eine Gegend außerhalb der Touristenströme zwischen Markusplatz und Rialtobrücke findet, steht der Entspannung eigentlich nichts mehr im Wege.

Kinder lieben Wasser und wenn es warm ist, kann man auf dem Lido entspannt im Meer baden. Dort gibt es einen riesigen Sandstrand und man vergisst schnell, dass man in einer Stadt ist. Spaß macht bereits die Bootsfahrt dorthin. Einmal durch den Canale Grande und vorbei an all die schönen Sehenswürdigkeiten, die man sich für später oder schlechtes Wetter aufheben kann: das Peggy Guggenheim Museum, den Dogenpalast, die unzähligen Eisdielen. Direkt vor Ort findet man genügend Restaurants oder Supermärkte, um sich mit ausreichend Proviant und frischen Getränken einzudecken. Und nebenbei bemerkt, die Wassertemperaturen im Mittelmeer sind mit Stockholms Ostseeküste nicht zu vergleichen.
Venedig bietet sich wie keine andere Stadt zur Löwenjagd an. Das Wahrzeichen der Stadt ist überall zu finden. Vermeintlich längere Wegstrecken lassen sich so spannend und abwechslungsreich gestalten.


Mein Lieblingsmuseum in Venedig ist das gerade schon erwähnte Peggy-Guggenheim-Museum. Wer seinen Kindern etwas Gutes tun will, lässt sie an einem Sonntag um 15 Uhr an einem anderthalbstündigen Workshop mitmachen. Während den Kindern (ab 4 Jahre) auf sehr anschauliche und praktische Weise der Zugang zu modernen Kunst vermittelt wird, kann man sich selbst in aller Ruhe das Museum anschauen, den Garten genießen oder die originellen kleinen Lädchen durchstöbern, die sich in unmittelbarer Nähe des Museums befinden.
Das Essen in Venedig ist eine Sache für sich. Da die Italiener äußerst kinderlieb sind, ist man auch mit quengelnden Kleinen in jedem Restaurant gern gesehen. Mit der richtigen Portion Eiscreme relativiert und entspannt sich aber auch das.
P.S. Die besten Tipps zum Reisen mit Kindern findet Ihr hier.