Myslördag — gemütlicher Samstag

Myslördag — gemütlicher Samstag

Sams­tags machen wir es uns gemüt­lich. Letzte Woche ver­brach­ten wir das Wochen­ende noch in Stock­holm mit den Cou­si­nen im Gar­ten. Aktu­ell sind wir wie­der in Ber­lin und schla­gen uns bei 33 Grad mit Som­mer­grippe und den Steu­er­er­klä­run­gen von 2012 und 2013 herum. Gleich wache ich hof­fent­lich auf und stelle fest, es war alles nur ein böser Traum und wir sind immer noch in Stockholm. 

Schwedentorte

Schwedentorte

Welche Unterkunft in Stockholm mit Kind?

Welche Unterkunft in Stockholm mit Kind?

Als fest­stand, dass wir die­sen Som­mer in Stock­holm ver­brin­gen wür­den, wuss­ten wir zunächst nicht, wo und vor allem was wir mit zwei klei­nen Kin­dern für eine Unter­kunft neh­men soll­ten. Das Ange­bot ist groß und viel­fäl­tig ist, doch unsere Ansprü­che nicht minder.

Unterkunft in Stockholm mit Kind

Apart­ments und Ferienwohnungen

Spon­tan dach­ten wir an einen Woh­nungs­tausch, um etwas zu fin­den, das unse­ren Bedürf­nis­sen am bes­ten ent­spricht. Die Suche erwies sich jedoch schnell als aus­sichts­los, da sich keine Stock­hol­mer Fami­lie fand, die im sel­ben Zeit­raum wie wir ver­rei­sen wollte und schon gar nicht nach Ber­lin. Die meis­ten Schwe­den ver­brin­gen den Som­mer offen­bar lie­ber in ihrem Som­mer­haus am See, meist irgendwo abge­schie­den in der Pampa. Als unser Urlaub schließ­lich immer näher rückte, ent­schie­den wir uns, eine Woh­nung zu mie­ten. Das war nicht schwer, und wenn man so wie wir gleich meh­rere Wochen bleibt, lohnt sich das finan­zi­ell in jedem Fall gegen­über den meis­ten Hotel­prei­sen in der Haupt­sai­son. Dazu kommt mehr Platz, eine sepa­rate Küche, Wasch­ma­schine, durch die man nicht nur Gepäck spart, son­dern auch dem Wasch­ma­ra­thon zu Hause ent­ge­hen kann, und wenn man Glück hat ein Kin­der­zim­mer mit Unmen­gen an Spielzeug.

Viele Fami­lien ver­mie­ten ihre Woh­nun­gen über ver­schie­dene Inter­net­por­tale (wäh­rend sie selbst in ihr Som­mer­haus fah­ren). Die schwe­disch­spra­chige Seite blocket.se hat wohl die meis­ten Ange­bote und ein Groß­teil stammt von Pri­vat­per­so­nen. Wir haben letz­tes Jahr unser Feri­en­haus in Süd­schwe­den dar­über gefun­den. Gut funk­tio­niert es übri­gens auch anders herum, d.h. wenn man weiss, was man sucht, kann man selbst bei blo­cket eine Anzeige auf­ge­ben und die Ange­bote abwar­ten, auch auf Englisch.

In die­sem Jahr waren es zwei Woh­nun­gen, die wir teils über Freunde und teil­weise über Airbnb (bei denen man neben den Miet­kos­ten aber noch eine zusätz­li­che Pro­vi­sion bezahlt) gemie­tet haben. Für uns war dabei die Lage sehr wich­tig, d.h. mög­lichst zen­tral oder direkt am Was­ser. Ich mag vor allem Söder­malm, Öster­malm, Djur­går­den und Vasas­tan ganz gern, weil man hier wirk­lich viel zu Fuß machen kann. Der aus­schlag­ge­bende Fak­tor war dann aber das Kin­der­zim­mer, denn es hatte das, was sich unsere Kin­der momen­tan sehn­lichst wün­schen: ein Hoch­bett. Dar­un­ter befand sich eine Schatz­kiste von unfass­ba­rem Wert. Sie beinhal­tete unzäh­lige Edel­steine in den schil­lernds­ten Far­ben, traum­haft schöne Muscheln, mehr Papier­geld als man aus­ge­ben kann und ein gol­den umrahm­tes Bild vom schwe­di­schen Königs­paar in jun­gen Jah­ren. Neben dem Bett befand sich in einer Schub­lade eine Samm­lung von ver­schie­de­nen Feu­er­wehr­fahr­zeu­gen und Poli­zei­au­tos, die alle­samt mit unter­schied­li­chen Sire­nen und Blau­licht aus­ge­stat­tet waren. Für Car­lotta und Luis war dies der Him­mel auf Erden. Zuge­ge­ben, die ruhige Lage wurde durch ein Kla­vier und ein Schlag­zeug im Kin­der­zim­mer etwas rela­ti­viert, doch unse­ren Kin­dern hat es mehr als gefal­len und die Nach­barn waren sicher­lich den Lärm gewohnt.

Ich habe in die­sem Urlaub zum ers­ten Mal kei­ner­lei Spiel­zeug mit­ge­nom­men und mich auch beim Packen ziem­lich zurück­hal­ten kön­nen (was dann durch die Regen­sa­chen aller­dings wie­der aus­ge­gli­chen wurde).

Unterkunft von privat mieten

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Fami­li­en­ho­tels

Es gibt dar­über hin­aus eine ganze Reihe kin­der­freund­li­cher Hotels in Stock­holm, die unter­schied­li­che Arten von Fami­li­en­zim­mern anbie­ten und auch recht zen­tral gele­gen sind, so dass man fuß­läu­fig recht viel Sehens­wer­tes errei­chen kann. Dazu gehö­ren beispielsweise

- einige Scan­dic Hotels, etwa das Scan­dic Park Hotel, das direkt am Park Hum­le­går­den mit einem der schöns­ten Spiel­plätze von Stock­holm liegt, oder das Has­sel­ba­cken auf Djur­går­den, wo man viele Museen in unmit­tel­ba­rer Nähe hat (unter ande­rem Juni­ba­cken, Skan­sen, Gröna Lund, das Abba– und das Vasamuseum).

- das Kung Carl Hotel (gehört zur Best Wes­tern Kette) auf der ande­ren Seite des Hum­le­gårds­park in unmit­tel­ba­re­rer Nähe zu Öster­malms Torg, wo es viele sehr gute Geschäfte, Bars und Restau­rants gibt.

- das Elite Palace Hotel in Vasas­tan (Karls­son lässt grüßen).

Wir selbst haben mit die­sen Hotels noch keine eige­nen Erfah­run­gen gemacht. Viel­leicht lohnt es sich, wenn man nur ein paar Tage oder übers Wochen­ende ver­reist oder wenn man auf einen regel­mä­ßi­gen Zim­mer­ser­vice nicht ver­zich­ten möchte.

Jugend­her­ber­gen — die etwas andere Unterkunft

Wem Jugend­her­ber­gen (auf Schwe­disch: “van­drar­hem”) gefal­len, der fin­det in Stock­holm eine Reihe ganz außer­ge­wöhn­li­cher Unter­künfte, etwa

- auf einem über 120 Jahre alten Segel­schiff, das vor der wun­der­schö­nen Insel Skepp­shol­men liegt,

- in einem ori­gi­nal Jumbo Jet mit Blick auf den Flug­ha­fen Arlanda oder

- im Knast, kein Witz, son­dern ein umge­bau­tes Gefäng­nis auf der grü­nen Insel Lång­hol­men (mit Bade­strand). Dort gibt es auch ein Hotel mit Fami­li­en­zel­len.

Unterkunft Stockholm Jugendherberge Flugzeug

Foto: Lioba Schnei­der via jumbostay.com

Cam­ping­plätze

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber will ich nicht uner­wähnt las­sen, dass es in Stock­holm auch Cam­ping– und Wohn­mo­bil­plätze gibt. Eine Über­sicht fin­det Ihr z.B. hier. Aber ganz ehr­lich, mit einem fast zwei Meter gro­ßen Mann und unse­ren bis­he­ri­gen Erfah­run­gen mit ver­reg­ne­ten Som­mern in Schwe­den, haben wir dar­über bis­lang nicht ein­mal nach­ge­dacht. Wenn Ihr andere Erfah­rungs­werte oder Tipps habt, gerne her damit.

Sommer in Stockholm

Sommer in Stockholm

Sommer in Stockholm

Wir sind in Stock­holm. Gleich meh­rere Wochen besu­chen wir Ver­wandte und Freunde und wer­den ver­su­chen, das beste zu sehen, was Stock­holm zu bie­ten hat: große, sau­bere Parks, gutes Essen (Car­lotta und Luis freuen sich seit Wochen auf Godis und Eis­creme) und jede Menge Ange­bote für Kin­der. Der Abschied von Ber­lin ist uns bei die­ser Vor­stel­lung und dem plötz­lich ein­set­zen­den Regen­wet­ter nicht son­der­lich schwer gefallen.

Vorfreude auf den Sommer in Stockholm

Sehnsucht nach dem Sommer in Stockholm

Gleich nach der Lan­dung über­kam mich das, was ich offen­bar ver­drängt, aber regel­mä­ßig in Schwe­den erlebt habe: kalte Hände. Am Tag zuvor, als ich im 25 Grad war­men Ber­lin unsere Sachen packte, bar­fuß und nur mit T-Shirt und Shorts beklei­det, fiel es mir zunächst nicht so leicht, an Regen­sa­chen und warme Pull­over zu den­ken. So fühlt sich doch kein Som­mer an und so wollte ich mir unse­ren Urlaub in Stock­holm auch gar nicht erst aus­ma­len. Aber der schwe­di­sche Som­mer ist anders. Unbe­re­chen­bar. Und zwar egal wann man reist.

Ich werde häu­fig gefragt, wann die beste Rei­se­zeit für Stock­holm ist. Im Grunde genom­men immer. Juni bis August sind die wärms­ten Monate mit Tem­pe­ra­tu­ren im zwei­stel­li­gen Bereich. Der Rest ist mehr oder weni­ger Win­ter bzw. Glück­sa­che. Abhän­gig davon, was man unter­neh­men will, muss das aller­dings kein Hin­der­nis sein. Auch im Herbst gibt es beson­dere Ver­an­stal­tun­gen, die schau­rig schön auf die dunkle Jah­res­zeit ein­stim­men. Gerade in der Vor­weih­nachts­zeit hat die Stadt nicht dann nur viel Charme, son­dern auch viel zu bie­ten (z.B. einen leben­di­gen Advents­ka­len­der, an dem auch das Königs­paar schon teil­ge­nom­men hat). Wäh­rend der rich­tig kal­ten Win­ter­mo­nate liegt meis­tens Schnee und die zuge­fro­rene Ost­see lädt zum Schlitt­schuh­lau­fen ein, mit­ten in der Stadt, vor der male­ri­schen Kulisse des könig­li­chen Schlos­ses. April und Mai sind die nie­der­schlags­ärms­ten Monate. Wenn man Glück hat, erlebt man hier Tage mit früh­lings­haf­ten Tem­pe­ra­tu­ren und viel Sonne. Wenn man Pech hat, kann man sich auf Museen und Shop­pen kon­zen­trie­ren. Schluss­ver­käufe mit kräf­ti­gen Rabat­ten begin­nen übri­gens direkt nach Mid­som­mar (Mitte Juni) und nach Weih­nach­ten (27.12.).

Ges­tern wur­den wir nach ein paar durch­wach­se­nen Tagen end­lich mit dem sehn­suchts­voll erwar­te­ten blauem Him­mel und strah­len­dem Son­nen­schein begrüßt. Doch durch meine gewohnt unzu­ver­läs­sige Wetter-App ließ ich mich dum­mer­weise dazu ver­lei­ten, alle Regen­sa­chen zu Hause zu las­sen, pro­gnos­ti­zierte sie ja einen son­ni­gen Som­mer­tag mit 0 % Regen­wahr­schein­lich­keit. Gerade als wir dem Hum­le­gårds­park — mit einem der schöns­ten Spiel­plätze Stock­holms — erreicht hat­ten, fing es aus hei­te­rem Him­mel an zu don­nern. Kurz dar­auf setz­ten Regen– und Hagel­stürme ein und blitz­schnell kühlte sich die Luft auf die gewohn­ten herbst­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren im gefühlt ein­stel­li­gen Bereich wie­der ab. Wir fan­den bei einem über­dach­ten Grill­platz Unter­schlupf und konn­ten nach einer hal­ben Stunde (oder waren es zwei?) unsere begon­ne­nen Pläne wei­ter ver­fol­gen. Dies­mal aller­dings mit Regen­sa­chen, die Tho­mas in der Zwi­schen­zeit geholt hat, getreu dem Motto, nach dem Regen ist vor dem Regen.

Sommer in Stockholm

Sommer in Stockholm

Sommer in Stockholm

Sommer in Stockholm - nach dem Regen

Som­mer in Stock­holm und gene­rell in Schwe­den sind oft kalt, wech­sel­haft, win­dig und ver­reg­net, man­cher­orts vol­ler Mücken und damit ziem­lich anstren­gend. Doch die weni­gen Male, die man Glück hat und heiße Tage erlebt, die wird man sein Leb­tag nicht ver­ges­sen, weil sich das Leben hier ein­fach und frei anfühlt, die Natur zu einem Groß­teil unbe­rührt (und sau­ber) ist und sich der All­tag ganz unbe­schwert genie­ßen lässt. Diese Erfah­rung oder die Sehn­sucht nach die­sem Gefühl ist es, die mich am Ende doch immer wie­der nach Schwe­den bringt, neben der Fami­lie. Nach mei­nem letz­ten Stock­holm­be­such habe ich mir geschwo­ren, min­des­tens 4 Jahre nicht mehr wie­der zu kom­men, so ent­täuscht und gesund­heit­lich ange­schla­gen bzw. aus­ge­laugt und erschöpft war ich vom Wet­ter. Nun sind immer­hin drei Jahre ver­gan­gen und ich bin doch irgend­wie froh, wie­der hier zu sein. Mit der rich­ti­gen Erwar­tungs­hal­tung lernt man die son­ni­gen Momente umso mehr zu schätzen.

Glad Midsommar!

Glad Midsommar!
Midsommar

Anders Zorn “Mitt­som­mer­tanz” (1897)

Mid­som­mar in Schwe­den beginnt am Frei­tag mit dem Mid­som­ma­raf­ton (Mitt­som­mer­abend). Wäh­rend ich mir das immer sehr roman­tisch vor­ge­stellt habe, hat mich mein Mann schnell eines Bes­se­ren belehrt. Mehr dazu hatte ich hier bereits beschrie­ben. Aber ganz egal ob und wie Ihr fei­ert, habt ein schö­nes Mittsommerwochenende.

Brasilien abseits der WM

Brasilien abseits der WM

Das beste an Bra­si­lien sind nicht nur die Was­ser­fälle von Iguaçu, die zu den größ­ten und was­ser­reichs­ten der Erde gehö­ren, son­dern damit ver­bun­den ein klei­nes und ziem­lich altes Hotel im por­tu­gie­si­schen Kolo­ni­al­stil, das durch seine unglaub­lich schöne Lage zu den Orten gehört, die man in sei­nem Leben gese­hen haben muss und für das allein sich die weite Anreise lohnt.

Brasilien Belmond Hotel das Cataras

Als Tho­mas und ich — in einem Leben vor unse­ren Kin­dern — unsere Argen­ti­ni­en­reise plan­ten, wusste ich noch nicht, dass das Bel­mond Hotel das Cata­ras in Bra­si­lien den Höhe­punkt mei­ner Reise bil­den würde. Zunächst war uns gar nicht klar, dass die Iguaçu Was­ser­fälle sowohl von argen­ti­ni­scher als auch von bra­si­lia­ni­scher Seite erreich­bar sind und dass es sich auf jeden Fall lohnt, beide Sei­ten zu sehen.

Von Buer­nos Aires flo­gen wir mit der chi­le­ni­schen Air­line LAN bis Puerto Iguazú und über­nach­te­ten dort in einem argen­ti­ni­schen Hos­tel (the Hos­tel Inn Iguazú), das nicht nur über einen wun­der­schö­nen gro­ßen Swim­ming­pool ver­fügte, son­dern auch ein klei­nes Kon­tin­gent an Dop­pel­zim­mern mit Pan­ora­maglas­wän­den besaß, die auf Stel­zen mit­ten im atlan­ti­schen Regen­wald stan­den. Es war ein Glücks­griff und per­fekt, um sich zu erho­len. Wir ver­brach­ten den ers­ten Nach­mit­tag bei 30 Grad zu Loun­ge­mu­sik im Pool, tran­ken neben­bei die bes­ten Cai­pi­rin­has unse­res Lebens und beob­ach­ten Schmet­ter­linge und Vögel, die vor dem Aus­ster­ben bedroht sind … Erst als der täg­li­che Platz­re­gen­schauer ein­setzte, ver­kro­chen wir uns in unse­ren Glas­bau und hat­ten das Gefühl mit­ten im Urwald zu sein.

Hostel Inn Iguazul

Den nächs­ten Tag wid­me­ten wir der argen­ti­ni­schen Seite der Was­ser­fälle. Das High­light war sicher­lich eine Fahrt mit dem Schlauch­boot unter und durch die Fälle. Sie kos­tete mich eine Riesen-Überwindung, weil ich eine unbän­dige Angst ver­spürte bei der Vor­stel­lung unter einem so gro­ßen Was­ser­fall zu ertrin­ken, und zwar nicht erst wenn das Boot ken­tern würde, son­dern bereits beim Ver­such zu atmen, wäh­rend die eis­kal­ten Was­ser­mas­sen mich erdrü­cken und ersti­cken wür­den. Tho­mas dachte ähn­lich, doch weil kei­ner von uns vor dem ande­ren wie ein Angst­hase daste­hen wollte, gestan­den wir uns unsere Zwei­fel erst hin­ter­her. Und das war gut so, denn zu unser bei­der Erstau­nen war das Was­ser ange­nehm warm und wie beim Duschen sind wir — wider Erwar­ten — gar nicht an aku­ter Atem­not erstickt. Statt­des­sen waren wir nur nass bis auf die Haut. Beim nächs­ten Mal wür­den wir sicher Bade­sa­chen mit­neh­men und vor der Boots­fahrt unsere Klei­dung nebst Wan­der­schu­hen in einem Plas­tik­beu­tel ver­stauen. Ja, hin­ter­her … Das Erleb­nis mit einem Schlauch­boot erst durch einen Regen­bo­gen und dann durch den tosen­den Was­ser­fall zu fah­ren war  so inten­siv und so schön, dass wir ver­mut­lich gar nicht mehr wei­ter nach Bra­si­lien auf die andere Seite der Fälle gereist wären, wenn wir nicht bereits von Deutsch­land aus das besagte Hotel­zim­mer reser­viert und bezahlt hät­ten und ich zu gei­zig war, um so viel Geld in den Wind zu schießen.

Iguazul Argentinien

Argentinien

Das kolo­niale Hotel auf der bra­si­lia­ni­schen Seite liegt als ein­zi­ges Hotel mit­ten im bra­si­lia­ni­schen Natio­nal­parks Iguaçu und wurde mit direk­tem Blick auf die Was­ser­fälle gebaut. Es ist älter als der Natio­nal­park und hat den unbe­zahl­ba­ren Vor­teil, dass man dadurch die Was­ser­fälle auch außer­halb der nor­ma­len Par­köff­nungs­zei­ten besu­chen kann. Das bedeu­tet kon­kret zu Son­nen­auf– und Son­nen­un­ter­gangs­zei­ten und ohne irgend­wel­che Tou­ris­ten­ströme. Wenn man will, natür­lich auch mit­ten in der Nacht, z.B. um sich in Voll­mond­näch­ten das sel­tene Natur­phä­no­men des Mond-Regenbogens anzu­se­hen. Die weni­gen Hotel­gäste, die mög­li­cher­weise zur sel­ben Zeit die glei­che Idee haben, ver­tei­len sich an den Was­ser­fäl­len, so dass man ohne Pro­bleme ein unge­stör­tes Plätz­chen fin­det, an dem man das Natur­schau­spiel ganz alleine genie­ßen kann. Der Ein­druck ist unbe­zahl­bar und allein dafür lohnt sich die weite Reise. An den Was­ser­fäl­len bil­den die her­un­ter rau­schen­den Was­ser­mas­sen ein so ohren­be­täu­ben­des Getöse, dass man sein eige­nes Wort kaum ver­steht. Dazu zau­bern die Gischt­wol­ken zahl­lose Regenbögen.

Brasilien

Belmond Hotel das Cataras Brasilien

Das Hotel selbst hat ansons­ten kleine, aber sehr schöne Zim­mer, ein für bra­si­lia­ni­sche Ver­hält­nisse gutes Restau­rant mit einem phä­no­me­na­len Früh­stücks­an­ge­bot und einem klei­nen, aber unglaub­lich prak­ti­schen Swim­ming­pool. Hier ertru­gen wir tags­über die Hitze und ver­steck­ten uns zugleich vor den Tou­ris­ten­strö­men, die mit unzäh­li­gen Bus­sen zu den Fäl­len gekarrt wurden.

Bra­zil — when stars were enter­tai­ning june …

Brasilien Belmond Hotel das Cataras

P.S. Mehr von unse­rer Argen­ti­ni­en­reise (Pata­go­nien) gibt’s hier.

Vatertag

Vatertag
Vatertag in Schweden

Carl Lars­son (1853–1919) “Brita und ich”

Anders als bei uns wird Vater­tag in Schwe­den erst im Novem­ber gefei­ert, aber dafür auf eine sehr schöne Art und Weise: mit sei­nen Kin­dern. Es ist das Pen­dant zum Mut­ter­tag, an dem Kin­der ihre Väter fei­ern und die Väter etwas mit ihren Kin­dern unter­neh­men. Das tra­di­tio­nelle Sauf­ge­lage deut­scher Her­ren am Vater­tag wirkt für Tho­mas, der nicht mit die­sem Män­ner­brauch groß gewor­den ist, immer etwas bizarr und befremd­lich. Am ehes­ten ver­gleich­bar wäre dazu das schwe­di­sche Mid­som­mar­fest, an dem sich jedoch Män­ner wie Frauen glei­cher­ma­ßen betei­igen. Wäre so ein schwe­di­scher Vater­tag nicht auch bei uns ganz schön? Und was macht eigent­lich einen guten Vater aus?

Als ich nach der Geburt von Car­lotta zum ers­ten Mal mit Freun­den im Thea­ter war und Tho­mas allein mit dem Baby zu Hause blieb, fragte mich meine Freun­din nach dem Stück, ob wir wei­ter­zie­hen sol­len oder ob ich lie­ber nach Hause fah­ren würde. Ich wollte eigent­lich nichts sehn­li­cher als mich direkt nach Hause zu bea­men. Ich wollte kon­trol­lie­ren, ob alles ok war, ob es dem Baby gut ging und vor allem, ob Tho­mas alles rich­tig macht. Rich­tig bedeu­tete, so wie ich. Car­lotta und ich hat­ten unse­ren All­tag wirk­lich gut ein­ge­spielt und genau das hatte ich Tho­mas im Vor­feld ver­sucht zu erklä­ren. Doch mei­ner Freun­din ver­schwieg ich diese Gefühle, weil Tho­mas und ich just an jenem Tag eine ernst­hafte Dis­kus­sion zu die­sem Thema hat­ten, die mir die Augen geöff­net hat.

Tho­mas bestand dar­auf, mich nicht anhand mei­ner detail­rei­chen Anwei­sun­gen zu kopie­ren, son­dern wollte alles auf seine eigene Art durch­set­zen. Er wollte so agie­ren, wie er es für rich­tig hielt und wollte damit unse­rem Kind seine eigene Prä­gung geben. Es ist mir zunächst schwer gefal­len, das zu akzep­tie­ren. Schließ­lich sind meine Kin­der aus mir und mei­nem Kör­per ent­stan­den und gerade in den ers­ten Mona­ten, in denen ich kom­plett gestillt habe, hatte ich das Gefühl, in einer Art Mutter-Kind-Symbiose zu leben. Ich dachte, nie­mand auf der gan­zen Welt würde meine Kin­der bes­ser ken­nen und ver­ste­hen kön­nen als ich. Doch habe ich ein­ge­se­hen, dass es dar­auf alleine gar nicht ankommt. Viel wich­ti­ger ist es, gerade in die­ser Zeit, auch dem Vater sei­nen Part zuzu­ge­ste­hen. Er wird natür­lich nicht genau das Glei­che leis­ten kön­nen wie eine Mut­ter. Man­che Din­gen, wie z.B. Stil­len, kön­nen Män­ner eben nicht. Doch wird ein Vater genauso in der Lage sein mit neuen, unbe­kann­ten Situa­tio­nen umzu­ge­hen und Pro­bleme zu lösen wie eine Mut­ter. Und auch das Kind wird ler­nen, das bestimmte Dinge bei einer ande­ren Per­son eben anders lau­fen. Nur wenn ein Vater mit sei­nem Kind inten­siv Zeit ver­bringt und beide mer­ken, wie sie Situa­tio­nen gemein­sam meis­tern, wer­den sie eine ebenso starke Bin­dung auf­bauen kön­nen wie sie zwi­schen Mut­ter und Kind besteht. Und damit bekommt das Kind einen unbe­zahl­ba­ren Mehr­wert: einen Vater.

Ich wün­sche allen Vätern heute einen schö­nen Vatertag!